Kongress/Workshops

Freitag, 17.02.2017 / 15.30 - 17.30 Uhr

B.12
Innovation – eine Frage des Blicks?

Der erste deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck hielt bekanntlich Kunstgeschichte für die letzte Vorstufe des moralischen Verfalls: „Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt vollends.“

Die Auseinandersetzung mit Kunst muss sich nicht in einem Wissen über die historischen Fakten erschöpfen. Sie bietet vielmehr auch die Möglichkeit, das eigene Sehen auszubilden.

Entwickeln lässt sich vieles. Am wirksamsten gelingt Entwicklung aber dann, wenn sie dort ansetzt, wo sie ihren Ausgangspunkt nimmt: beim eigenen Sehen, Denken und Gestalten. Nur wer den Blick für eine Marktlücke, für gesellschaftliche Veränderungen und Erfordernisse, kurz für das Neue entwickelt, wird sich angesichts immer kürzer werdender Innovationszyklen den Herausforderungen des Marktes stellen können.

Kunst regt an, irritiert und stellt gewohnte Sichtweisen infrage. Gerade das ist für die Gestaltung von Zukunft unerlässlich. Wer sich auf ungewöhnliche Blickwinkel und Standpunkte einlassen und zwischen Sehen und Bewerten unterscheiden kann und die Einflüsse kennt, die seine Beobachtung lenken, wird seine Sehfähigkeit vertiefen und den Blick für das Neue schärfen können. Im Workshop werden wir an ausgewählten Kunst- werken das eigene Sehen erforschen und reflektieren, welche Rolle dasselbe für Innovationen spielt. 

Dr. David Hornemann v. Laer

Der Kunstwissenschaftler lehrt und forscht an der Fakultät für Kulturreflexion – Studium fundamentale. Seine besonderen Interessen gelten dem Sehen und den damit zusammenhängenden Fragen.